Pfingsten ist ja mal wieder ein christlicher Feiertag und daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, das bürgerlich-christliche Lager der heutigen Zeit in seiner ganzen Schande darzustellen.

Was ist eigentlich bürgerlich-christlich und warum wird das Bürgerliche immer mit dem Christentum zusammen genannt?

Das Bürgertum war im Mittelalter der Stand oberhalb der einfachen Einwohner. Er unterschied sich vom Einwohner durch die sogenannten Bürgerrechte, z.B. Privilegien und Besitz. Insofern kann man das Bürgertum als besitzenden Stand klassifizieren. Dazu gehört, wer beispielsweise über Vermögen in Form von Immobilien und / oder größeren Geldsummen verfügt, oftmals ist beides vorhanden, da das Erbrecht dafür sorgt, dass ein Bürger nicht so leicht aus seinem Stand herausfallen kann. Im Bürgertum können somit praktisch auch die Maulhelden und Dummköpfe problemlos überleben – einer der Gründe für den desolaten Zustand des heutigen Bürgertums.

Was ist christlich bzw. wer ist ein Christ?

Bemühen wir dazu Wikipedia:

Als Christ wird eine Person bezeichnet, die ein Anhänger der Lehren von Jesus von Nazaret (bekannt auch als Jesus Christus) bzw. des Christentums ist.

Diese Definition ist etwas unscharf. Denn die Lehren des Jesus von Nazaret aus der Bibel sind etwas anderes als das, was das Christentum uns insbesondere die Institutionen des Christentums daraus gemacht haben. Heute sind die christlichen Kirchen vielfach einfache Wirtschaftsunternehmen, die in den einzelnen Staaten vorrangig ihre eigenen Pfründe und die ihrer Anhänger sichern wollen. Dazu paktieren sie auch oft genug direkt mit der Politik, wenn für sie selbst genug herausspringt, in Deutschland beispielsweise der Einzug der Kirchensteuer durch den Staat und die massive staatliche Subventionierung christlicher Kindergärten, Krankenhäuser und Einrichtungen. Und dass sich an diesen Absprachen und Zuständen nichts ändert, ist selbstredend ein weiteres Ziel der christlichen Kirchen.

Zusammenfassung

Insofern haben wir bis hierhin schon eine fast vollständige Defintion derjenigen Gruppe, die sich gerne selbst mit dem Attribut bürgerlich-christlich schmückt. Es ist eine Klasse unserer Gesellschaft, die besitzend ist, diesen Besitz behalten und mehren will und sich darum kümmert, dass die Zustände zum Erhalt ihrer Besitztümer bestehen bleiben. Oder auf einen Satz eingedampft: Als bürgerlich-christlich bezeichnen sich vor allem jene, die seit jeher besitzend sind, ihren Besitz behalten und mehren wollen. Deshalb sind sie für den Kapitalismus auch in seiner ungebändigten Version, da er mit dem Zins eine Mehrung von Besitz ohne Arbeit verspricht, obwohl auch das Christentum lange genug ein Zinsverbot kannte, wie es heute nur noch im Islam anzutreffen ist. Deshalb haben die bürgerlich-christlichen Figuren Angst vor dem Islam, malen Horrorszenarien einer angeblichen Islamisierung Europas an die Wand, intrigieren und hetzen gegen Moslems. Dieses Verhalten entspricht recht genau dem, was die christlichen Kirchen in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gegen potentielle Gegner getan haben, um ihre Besitztümer und Privilegien weltweit zu halten und zu mehren.

Das bürgerlich-christliche Lager ist somit einfach die Klasse der Besitzenden und Gierigen. Der Bezug zum Christentum soll wohl eine moralische Aufwertung des eigenen Selbst ermöglichen und einige Knallköpfe aus diesem Lager behaupten gar, dass ihr privilegiertes Leben und ihr Vermögen eine Art Belohnung für ihr christliches Leben sei. Schlimmer kann man die besitzlosen Menschen eigentlich gar nicht verhöhnen.

Bürgertum und Christentum im Dritten Reich und der heutige Wirtschaftsfaschismus

Auch im Dritten Reich gab es genügend Personen, die sich damals wie heute als bürgerlich-christlich bezeichne(te)n, aber dennoch die Gunst der Stunde nutzten, um auf Kosten der Unterdrückten und Entrechteten des faschistischen Systems riesige Besitztümer anzuhäufen, z.B. die Familie Quandt. Selbstverständlich arrangierte sich auch die Kirche irgendwann mit den faschistischen Regimes Europas und verhalfen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bereitwillig zahlreichen Nazis und anderen Verbrechern über die berühmten Rattenlinien, welche häufig über Klöster oder andere kirchliche Einrichtungen führten und daher auch Klosterrouten genannt wurden, zur Flucht. Aber auch die Rolle der antisemitischen Gruppierung Deutsche Christen zur Hitlerzeit ist kein Glanzlicht des Christentums.

Heute stellen sie sich alle wieder als brave Bürger und bürgerlich-christlich dar, auch wenn sie vielleicht gerade in China den einen oder anderen Landstrich vergiften oder dort Menschen in ihren Arbeitslagern, welche man heute als Konzerne oder international agierende Unternehmen bezeichnet, bis zum Tode unter unwürdigsten Bedingungen schuften lassen. Gleichzeitig sorgen sie in menschenfeindlichen, asozialen Think Tanks wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), dem Konvent für Deutschland oder dem Frankfurter Zukunftsrat (FZR) dafür, dass trotz der Schwäche des Christentums in Deutschland und anderen Teilen Europas ihre Privilegien und Besitztümer gewahrt und gemehrt werden – natürlich auf Kosten aller anderen Menschen, die man dafür auch jederzeit ohne Zögern dem Tod durch Verhungern, Obdachlosigkeit oder anderen Zuständen preisgibt, welche durch die forcierte soziale Schieflage entstanden und stärker geworden sind.

Lustigerweise ist die Definition derjenigen, die sich als christlich-bürgerlich oder bürgerlich-christlich bezeichnen, nahezu identisch mit dem, was Neoliberale meinen, wenn sie von Bürgern sprechen. Sehr amüsant ist auch immer, dass Neoliberale und bürgerlich-christliche Subjekte bei Hinweis auf die soziale Schieflage und andere gesellschaftliche Missstände gerne die Neidkeule schwingen, obwohl es überfällig wäre, dass sie sich selbst einmal mit den Ursachen befassen: der eigenen Habgier.

Falls Sie es noch nicht gemerkt haben sollten: Die geheuchelte Christlichkeit der CDU und CSU basiert selbstverständlich ebenfalls auf obigen Ausführungen: Besitz und Privilegien für die Einen, Betrug, Armut und Ausbeutung für den Rest. Die angebliche Christlichkeit ist lediglich die Frontlinie, an der die Massen von diesen Parteien belogen und betrogen werden. Insofern dient das Christentum vielfach lediglich zur Legitimation von Ungleichheit jeglicher Form, insbesondere für Chancenungleichheit und extrme soziale Ungerechtigkeiten gegenüber den Massen.

Zögern Sie also nicht, das bürgerlich-christliche / christlich-bürgerliche Geschwafel schlichtweg zu ignorieren oder den Wortführern durch einen gezielten Schlag mit der Bibel das Maul zu stopfen. Da reden immer nur verlogene, skrupel- und maßlose Besitzende und Privilegierte in eigener Sache, mehr nicht. Verkappte Geisteskranke, die schon immer zu Größenwahn erzogen wurden und sich keine Gesellschaftsordnung vorstellen können, wo sie nicht vermögend, privilegiert und oben sind.

Bürgerlich-christlich und wirtschaftsfaschistisch: Hans-Olaf Henkel und der Konvent für Deutschland

Wenn dann so ein Menschenfeind wie Hans-Olaf Henkel (BDI, Konvent für Deutschland) in dem rechten Schmierblatt Junge Freiheit palawert, dass der Kampf gegen Rechts angeblich auch ein Kampf gegen das Bürgertum sei, so hat er damit Recht. Denn die Wurzeln des Faschismus liegen genau in diesem Bürgertum, welches ich in den vorherigen Absätzen beschrieben habe. Die Masse der Menschen will einfach nur in Frieden und auskömmlich leben. Nicht aber jene, die Henkel unter dem Bürgertum subsumiert und sich selbst wohl auch dazu zählt. Das sind größenwahnsinnige, egomanische Terroristen im Kampf gegen alle anderen, die nicht zu diesem Bürgertum gehören. Selbstverständlich schlägt Hans-Olaf Henkel, ebenso wie sein Konventskollege und Rentner-Beschimpfer Roman Herzog, auch eine Reform des Wahlrechts hin zu einem Mehrheitswahlrecht vor, damit die bösen, bösen Linken nicht zuviel Einfluss bekommen. Da trommelt also mal wieder ein Bürgerlich-Christlicher in eigener Sache. Jetzt wissen Sie durch diesen Artikel, warum und wofür er das tut. Die Menschen in Deutschland unterhalb seiner eigenen Kaste sind ihm scheißegal, sofern er sie überhaupt noch als Menschen wahrnimmt und nicht nur als Tiere oder auszubeutende Einheiten Arbeitskraft, die man nach dem Aussaugen wie ein Trinkpäckchen in den Müll werfen kann.

Selbstredend macht Hans-Olaf Henkel aus seiner wirtschaftsfaschistischen Gesinnung keinen Hehl, so dass er nicht nur in der Jungen Freiheit seine Grütze absondert, sondern sich z.B. auch bereitwillig für ein Interview mit den antiislamischen, rassistischen Hetzblog Politically Incorrect (PI) zur Verfügung stellte. Wenn Hans-Olaf Henkel damit meinte, dass der Kampf gegen Rechts auch ein Kampf gegen das Bürgertum sei, so kann ich angesichts dessen Treibens nur wünschen, dass die Massen nicht eher ruhen, bis diese Art “Bürgertum” erfolgreich bekämpft und zerschlagen wurde – zum Wohle aller Menschen in Deutschland, Männer wie Frauen, Junge wie Alte, Einheimische wie Ausländer, Akademiker wie Erwerblose.

Zeit, dass in Deutschland endlich Köpfe rollen – all die braunen Köpfe, die sich damals an der Entnazifizierung vorbeimogeln konnten. Gehen Sie doch einmal in einem chinesischen Bergwerk schuften, Herr Henkel. Vielleicht hätten wir alle Glück und Sie würden dort bei einem Unfall lebendig begraben